Zur Kampfrichterausbildung des LVS

(Information der Kommission Kampfrichterwesen des LVS 2011) Der Termin der Umsetzung der Beschlüsse des 11. Ordentlichen Verbandstages des LVS      “Zur weiteren Entwicklung des Kampfrichterwesens im LVS” rückt immer näher. Deshalb möchten wir nochmals darauf hinweisen, dass die Meldungen der aktiven Kampfrichter durch den Kreiskampfrichterwart bis spätestens 30.11.2011 an die Geschäftsstelle des LVS zu erfolgen hat (Posteingang). Danach, spätestens jedoch ab 01.01.2012, wird die finanzielle Seite der Beschlüsse wirksam. Eine Frage ist in der letzten Zeit dazu oft aufgetreten:

Wer zählt zu den Kampfrichtern in Sachsen?

Unabhängig davon, dass für die Durchführung der Wettkämpfe weitere Helfer unverzichtbar sind, werden im Sinne der Beschlüsse folgende Kriterien angesetzt: Abgeschlossener Kampfrichter-Grundlehrgang. Der Kampfrichter muss dem Kreiskampfrichterwart für den Einsatz in Kampfrichterfunktionen zur Verfügung stehen. Der Kampfrichter muss in Kampfrichter-Funktionen ”auf dem Platz” an Wettkämpfen teilnehmen. In diesem Sinne können Einsätze als Sprecher, im Wettkampfbüro, bei Platzbau oder Siegerehrung, usw. also nicht gezählt werden. Für die Umsetzung der Beschlüsse bitten wir alle Vereine, sich mit dem zuständigen Kreiskampfrichterwart in Verbindung zu setzen. Michael Idler, Kampfrichterwart des LVS (aus www.lvsachsen.de)

Wo sind die Kampfrichter ?

(A. Hanßke, privat, 2013) Wenn man heute mal so die Ohren offen hält, dann hört man immer wieder von großen Sorgen der Ausrichter und Einsatzleiter, wie sie denn einen anstehenden Wettkampf noch einigermaßen über die Bühne bringen können. Beispiel Dresden(Stadt): Mit etwas gutem Willen sieht man auf der Liste des Kreiskampfrichterwarts 23 aktive Kampfrichter und für 2013 eine Anzahl von 24 Einsatzterminen. Machen wir damit mal ein paar Milchmädchen-Rechnungen: Es gibt so viele Kampfrichter, wie Einsatztermine. Macht jeder der Kampfrichter 5 Wettkämpfe im Jahr (so wie es ihnen bei der Anwerbung mal suggeriert wurde), dann haben wir zu jedem Wettkampf im Durchschnitt fünf anwesende Kampfrichter. Ob dieser “Durchschnitt” bei der geringen Probenzahl noch funktioniert, ist sehr fraglich und ob dann auch gerade noch das nötige Fachpersonal dabei ist, wäre ein weiterer ausgesprochen fragwürdiger Punkt. Ein kleinerer Wettkampf mit fünf anwesenden Kampfrichtern, (nur) 100 Teilnehmern und je Teilnehmer 3 Starts ergibt, dass jeder Kampfrichter 60 Athletenstarts zu betreuen hat. Fünf Kampfrichter können bei knapper Besetzung o eine Wettkampfanlage Weitsprung betreuen, oder o notfalls zwei Wettkampfanlagen Ballwurf betreuen, oder o notfalls zwei Wettkampfanlagen Hochsprung betreuen, o eine Wettkampfanlage Wurf (Speer/Diskus/Hammer) betreuen, oder o 1x Lauf ohne Rundenzählung, ohne Bahnrichter und ohne Aufruf betreuen. Ein größerer Wettkampf ist auf diese Weise nicht mehr auszurichten. Bei Landesmeisterschaften kann u.U. auf Verstärkung aus der AG Obleute/Schiedsrichter des Landes zurückgegriffen werden, bei Bezirks- oder Regionalwettkämpfen ist dies jedoch ausdrücklich ausgeschlossen. In der hier nötigen Sparbesetzung können sich die Kampfrichter ausschließlich um die unmittelbare Durchführung des ihnen übertragenen Wettbewerbs kümmern und keinesfalls zusätzliche, für einen ordentlichen Wettkampf nötige Tätigkeiten und Aufsichten übernehmen. Die Sicherheit bei Wurfdisziplinen kann nicht mehr sichergestellt werden und es wird kaum einen Schiedsrichter geben, der sich das Risiko eines solchen Wettkampfs aufladen lässt. Beispiel BM Einzel: Der Ausrichter der BM Einzel 2013 hat folgende Wettkampfanlagen lt. Zeitplan vorgesehen: o Sprintdisziplinen mit zwei Zeitmessanlagen gleichzeitig auf Haupt- und Gegengeraden, auch Hürdenwettbewerbe o Staffel- und Rundenläufe gleichzeitig mit vielen technischen Diszipline o 6 Anlagen Weitsprun o 2 Anlagen Hochsprun o 3 Anlagen Ballwurf o Speerwurf / Kugelstoß o Diskuswurf Bis eine Woche vor dem Wettkampftermin lagen ganze drei Kampfrichtermeldungen vor. Angesichts der aufgeführten Disziplinen und Wettkampfanlagen wäre von einem Bedarf von gut 70 Kampfrichtern im Infield auszugehen.   Der Zeitplan umfasste den Bereich 09:30 - 16:45. Eine weitere zeitliche Ausdehnung wäre kaum möglich gewesen.   Im Ergebnis haben die Kampfgerichte weit unterhalb der Minimalbesetzung gearbeitet und hatten i.d.R. bei sommerlichen Temperaturen keine Zeit für eine Pause. Aus meiner Sicht ist sehr fraglich, wie lange Kampfrichter sich eine derartige Belastung und gleichzeitige Verantwortung in ihrer Freizeit noch aufladen lassen. Da ja bereits aus o.g. Beispiel klar wird, dass die Absicherung nicht erfolgen kann, wenn jeder Kampfrichter nur fünf Einsätze im Jahr absolviert, machen Kampfrichter im Jahr eher 15 bis 30, teils bis 45 Einsätze in ihrem Kreis, in Nachbarkreisen, im Bezirk, im Land und darüber hinaus. Wenn dieses Engagement dann auch noch mit negativen Erlebnissen verbunden wird, dann bricht die Einsatzbereitschaft schnell weg. Und es ist völlig klar, dass die Athleten von heute auch diese Situation beobachten und sich später eher nicht dazu bereit erklärten, sich aus purer Leidenschaft regelmäßig Wochenenden lang auf dem Sportplatz auszuarbeiten. Auf der anderen Seite stellt sich auch die Frage, ob wir die Wettkämpfe als Höhepunkt im Trainingsalltag gestalten können. Wie empfinden Athleten, Betreuer, Eltern, Sponsoren und Gelegenheitszuschauer die Wettkämpfe? Sind das Termine, die sie ansprechen, begeistern? Wie wirken sich Personalmangel, Zeitdruck und auch Gleichgültigkeit und vielleicht auch mal Geltungsbedürfnis darauf aus, wie Wettkämpfe nach außen wirken? Macht es Athleten, Betreuern, Eltern, Sponsoren und Offiziellen Spaß, bei Wettkämpfen dabei zu sein? Womit werben wir künftige Kampfrichter? Welche Altersgruppen sprechen wir wie an? Wie schaffen und erhalten wir das Interesse an der Mitarbeit als Kampfrichter? Ausruhen auf dem aktuellen Stand geht nicht - es gibt keinen akzeptablen Stand, auf dem man sich ausruhen könnte. Die Kampfrichterordnung des DLV und auch der LVS schieben die Verantwortung zur Kampfrichtergewinnung allein den Vereinen zu. Funktioniert das? Funktionierte das schon mal irgendwo? Wer soll das aus den Vereinen sein, der schließlich nachhaltig und dauerhaft Kampfrichter wird?   Wer kümmert sich um den Erhalt des Kampfrichterbestands? Auch die Vereine? Oder reicht es, wenn man als Verein jährlich eine “Zahl” Kampfrichter meldet?   Wenn man davon ausgeht, dass die Vereine die Kampfrichterarbeit machen - müsste man dann nicht den Kampfrichtereinsatz auf diese Quelle anpassen? Wie kann ich Vereinskampfrichterteams “pflegen”, wenn der Kampfrichtereinsatz unabhängig von diesen Teams erfolgt?   Setzt man Vereinskampfrichter bei Wettkämpfen immer als “lokales Team” ein, dann möge das das Team “pflegen”, aber wie ist es mit dem Wissensaustausch? Züchten wir uns dann damit nicht viele kleine Inseln?   Ist es zeitgemäß, so etwas wie eine “ehrenamtliche Verpflichtung” zu versuchen, um künftig zu Kampfrichtern zu kommen? Werden wir damit ausreichend Nachwuchs haben?   Was tun wir dafür, dass sich potenzielle Sponsoren oder gar Zuschauer für unsere Wettkämpfe interessieren? Kann ein Sponsor “Gewinn” daraus erwarten, dass er sich mit einem Werbeaufsteller bei uns darstellt? Wer sieht das? Sind Wettkämpfe mit einer Handvoll Kampfrichter und 50 Athleten nicht vielleicht eher ein Armutszeugnis unserer Sportart, als eine Werbung? Hm, es gäbe eigentlich viel zu tun, uns, unsere Sportart und unsere Tätigkeit für diese Sportart so zu präsentieren, dass uns neue Kampfrichter nach Lehrgängen fragen - und nicht dass wir regelmäßig Vereine betteln müssten, dass sie uns je xx Startpassinhaber einen Namen als Kampfrichter benennen. Wenn wir nichts ändern, alles so lassen und gut finden, wie es ist, dann denke ich mal, dass sich nichts ändert. Oder?
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