Zeitmesstechnik

Die Zeiten, als noch für einen Wettkampf auf 10 Sprintbahnen gut 30 Kampfrichter im Ziel vorhanden waren, ist schon lange Geschichte. Man hat schon sehr frühzeitig versucht, den Zieleinlauf mittels Fotos zu erfassen und auch eine genauere Zeitmessung zu ermöglichen. Ich kenne noch die (späteren) Anfänge dieser Technik, als ein Film derart hinter einem Objektiv vorbei gelaufen ist, dass die Läufer beim Überqueren des Zielstrichs scharf aufgezeichnet wurden. Die Kamera hat dabei nur einen schmalen Spalt gehabt, so dass möglichst nur die 5cm breite Ziellinie auf dem Film zu sehen war.

Schlitzkamera- Anlagen

Heute haben wir in Sachsen eine Reihe Anlagen, die nach einem ähnlichen Prinzip funktioneren. Es wird eine Digitalkamera wieder genau so ausgerichtet, dass sie die Ziellinie aufzeichnen kann. Die exakte Ausrichtung der Kamera ist dann erreicht, wenn man einen weißen Bildhintergrund sieht - nämlich genau die 5cm breite weiße Ziellinie. Damit man trotzdem noch Bahnen erkennen kann, sind die Kreuzungslinien der Bahnbegrenzung mit der Ziellinie schwarz markiert. Bei einigen Anlagen kann/muss man die Aufzeichnung des Zieleinlaufs manuell starten, andere machen dies automatisch mit Hilfe des Signals von der Lichtschranke. Je nach Qualität der Anlage, aber auch nach Beleuchtungsverhältnissen und sonstigen Einflüssen können die PC- Anlagen Aufzeichnungen mit einer Auflösung von bis zu 1/1000s machen und erlauben damit eine hochgenaue Zielauswertung. Da das Einrichten und richtige Bedienen solcher Technik in Übereinstimmung mit den Regeln der IWR erfolgt, dürfen im Bereich des LVS nur lizensierte Bediener der Anlage bei Wettkämpfen Messungen ausführen. Die Lizenz dazu wird vom LVS vergeben und setzt einen Lehrgang, solide Kenntnis der verwendeten Anlage, eine Prüfung und natürlich eine im Bereich des DLV zugelassene Zeitmess- Anlage voraus. Gerade bei der Aufstellung der Kamera muss große Sorgfalt an den Tag gelegt werden. Steht die Kamera nicht exakt auf Zielhöhe, dann werden je nach Sichtwinkel und Entfernung der Kamera, je nach benutzter Einzelbahn und je nach Größe des Läufers teilweise erhebliche Fehler gemacht. Steht die Kamera vor dem Ziel (vgl. Bild rechts), dann sieht sie den aus ihrem Blickwinkel auf die Laufbahn projizierten Läufer (roter Strich) bereits im Ziel, obwohl er gemäß gelbem Strich noch deutlich vor dem Ziel ist. Der Fehler wird größer, je niedriger der Kamerastandort ist und je weiter der Läufer von der Kamera entfernt durch das Ziel läuft.

Andere Messtechniken

Weit verbreitet sind auch noch Video- Anlagen zur Aufzeichnung und Auswertung des Zielbilds. Aus Sicht der Bildauswertung sind sie deutlich einfacher zu handhaben, als die auf Schlitzkameras (wie oben beschrieben) beruhenden Techniken. Da die Schlitzkamera nur den Zielstrich aufzeichnet, lässt sich im Bild oben rechts der Läufer nur schwer seiner Bahn zuordnen, wenn der Schatten fehlen würde. Beim Videobild wird der gesamte Zielbereich aufgezeichnet, man sieht die Läufer also auch vor und nach dem Ziel und kann so ermitteln, auf welcher Bahn sie mal mit einem Fuß Bodenkontakt haben. Bei der Video- Anlage muss das Bild in Einzelschaltung so justiert werden, dass der auszuwertende Läufer genau auf der Ziellinie (oder leicht dahinter) zu sehen ist. Die jetzt eingeblendete Zeit ist die dem Läufer zuzuordnende. Gut ist auch eine Kombination von Schlitzkamera zur genauen Zeitmessung und Videokamera zur Ermittlung des gerade die Ziellinie passierenden Läufers. Im Idealfall werden beide Aufnahmen miteinander synchronisiert, so dass man beim Positionieren der Zeitposition mit der Schlitzkamera auch gleich automatisch das zugehörige Videobild sehen kann.

Anzeigetafel

Eine gut ausgerüstete Zeitmess- Anlage sollte über eine Anzeigetafel verfügen, mit der die laufende Zeit, Durchgangszeiten des Führenden aller 400m bzw. 1000m für ca. 10s sowie die Siegerzeit angezeigt werden kann. Interessant ist hierbei sicher die Anzeige der Siegerzeit. Diese wird mit Hilfe der Lichtschranke automatisch ermittelt und angezeigt (deshalb soll auch niemand außer den Läufern während eines Laufes das Ziel durchqueren!). Sicher hat jeder sich schon mal gewundert, warum diese Zeit vom Stadionsprecher stets als inoffizielle Siegerzeit betitelt wird. Oft ist auch zu beobachten, dass die Zeit nach dem Zieldurchlauf gelegentlich noch auf dieser Anzeigetafel korrigiert wird. Das hat folgenden Grund: Die Lichtschranke hat zwei oder auch drei Lichtwege in verschiedener Höhe und meldet erst dann eine Unterbrechung, wenn alle ihre Lichtwege gleichzeitig unterbrochen sind. Damit wird verhindert, dass ein Vogel oder eben auch nur der Arm des Athleten bereits die Anzeigetafel anhält. Nehmen wir mal eine Zweiwege- Lichtschranke, deren zwei Lichtwege im nebenstehenden Bild die Kreuzungspunkte der senkrechten mit den beiden waagerechten Linien sind. Der obere Lichtweg ist schon seit dem ersten Kreuzungspunkt (Oberarm) unterbrochen , die Anzeigetafel stoppt aber erst an der mit dem langen Strich markierten Stelle (beide Lichtwege unterbrochen). Die offizielle Zeit des Athleten wird also sicher besser werden, als die durch die Lichtschranke erzeugte Anzeige es darstellt. Der Läufer erhält seine Zeit ja dann, wenn ein Teil seines Rumpfes die Ziellinie überquert. Im Bild wird diese Zeit etwas links vom Oberarm- Strich am Träger des Hemdes zu ermitteln sein. Die Lichtschranke sollte so aufgebaut werden, dass sie möglichst oft die offizielle Zeit trifft und - wenn das mal nicht der Fall ist - dass die offizielle Zeit dann möglichst stets besser als die angezeigte ist.

Fehlermöglichkeiten

Auch bei fehlerfreiem Einrichten der Anlage können noch schwerwiegende Fehler auftreten. Am häufigsten ist sicher zu beobachten, dass der Startschuss das Zeitmess- System nicht ausgelöst hat. Meist sind Bedienfehler am Start, schlechte Startmunition oder Kabelfehler die Ursache für derartige Ausfälle. Die Bediener der Zeitmess- Anlage müssen jetzt sicherstellen, dass sie trotzdem ein Zielfoto aufnehmen, aus welchem die zeitlichen Abstände bestimmbar sind. Außerdem sollten sie dafür sorgen, dass die Anzeigetafel keine Siegerzeit anzeigt. Bei Schlitzkamera- Anlagen, bei denen die Aufzeichnung mittels Lichtschranke ausgelöst wird, hat ein Ausfall der Lichtschranken- Anlage zur Folge, dass i.d.R. kein Zielbild aufgenommen werden kann. Die Ausrichtung der Lichtschranke muss daher vor jedem Lauf geprüft werden. Außerdem ist dafür zu sorgen, dass niemand die Lichtschranke über längere Zeit abdeckt. Bei Video- Anlagen passiert gelegentlich, dass anstelle des aktuellen Laufes der vorhergehende ausgewertet wird (das Band wurde zu weit zurückgespult). Das ist eigentlich unkritisch, da der Fehler gewiss im späteren Lauf der Wettkampfunterlagen bemerkt wird. Das Fatale daran ist aber, dass mit der Aufzeichnung des folgenden Laufes der eigentlich auszuwertende überschrieben wird! Daher müssen sich die Anlagen- Bediener ein Verfahren überlegen, wie sie sicherstellen, dass ein solcher Fehler bemerkt wird. Dazu dient z.B. die Eingabe von Zusatz- Informationen, die dann im Videobild angezeigt werden.
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